Neben einer dreitägigen Visite in Schottlands Hauptstadt Edinburgh (immer eine Reise wert) stand unser erster Besuch in der Speyside an. Das Quartier hatten wir im "Fairnbank House" aufgeschlagen, einem super B&B, das von Karen Fidler in unmittelbarer Nähe zur Glenfiddich Distillery und dem Balvenie Castle geführt wurde. Karen war super freundlich und Deutschland Fan. Leider hat sie das B&B in- zwischen aufgegeben. Bei Bedarf kümmert sie sich um alles, was ein Schottlandtourist braucht. Ihre 3 Zimmer (jeweils mit separatem Bad) sind geräu- mig, sauber und gut ausgestattet. Das Frühstück ist exzellent. Dass ihr B&B etwas außerhalb von Dufftown liegt, ist kein Problem. Zu Fuß sind es etwa 20 Minuten in den Ort. Das Highlight der Tour war der Besuch bei BALVENIE. Ich hatte mir bereits von Deutschland aus per Internet (problemlos) einen Termin für 2 Personen reservie- ren lassen. Am 06.06.2011 - einem Montag - war es dann soweit. Um 14.00 Uhr be- gann unsere Tour bei Balvenie. Im Gegensatz zu Glenfiddich, die Besucher ohne Anmeldung in Massen abfertigen (täglich kommen ganze Busladungen), kann man die Balvenie Brennerei nur auf Voranmeldung und mit max. 12 Personen (2x täglich) besuchen. Als wir gegen 13.45 Uhr auf den kleinen Besucherparkplatz der Brennerei ankom- men, fällt uns auf, das kein anderes Fahrzeug da ist. Wir gehen zum Meating Point, wo uns ein Mann freundlich mit den Worten "Hi, I'm David" begrüßt. Er erklärt uns, dass heute Nachmittag nur noch 2 weitere Personen kommen, die aber auch noch nicht da sind und wir natürlich dieselbe Tour bekommen, wie eine größere Gruppe. Da die angekündigten Personen um 14.05 Uhr immer noch nicht da sind, sagt David, dass wir die Tour eben allein machen. Wir sollen uns mal auf 17.00 Uhr für das Ende einrichten. 2 Stunden Besichtigung und eine Stunde Tasting. Super - eine exklusive Tour für 2 Personen mit David, der mir im Übrigen sehr be- kannt vorkommt. Irgendwie habe ich ihn im Zusammenhang mit Balvenie schon mal gesehen und dann fällt es mir auch wieder ein - die Produktvideos von Balvenie im Internet. Ich frage ihn deshalb einfach mal, ob er David Mair sei. Ja, sagt er bescheiden, er sei David Mair, der Balvenie Ambassador und man kenne ihn vielleicht aus den besagten Videos. Für einen Balvenie Fan und Sammler geht es kaum besser. Neben David Stewart (dem Balvenie Malt Master) wahrscheinlich einer der bekanntesten Vertreter der Balvenie Distillery macht eine Exklusivführung nur für uns - Whiskyherz was willst du mehr. David weiß alles und erzählt alles über Balvenie und nebenbei noch über sich (er ist in Dufftown aufgewachsen und wohnte als Kind neben der Mortlach Distillery). Keine noch so blöde Frage bleibt unbeantwortet und er bemüht sich, alles auch für unser begrenztes Englisch verständlich zu machen. Dazu gibt es noch Tipps für Ausflüge ans Meer und Geschichten über "Gott und die Welt". Man merkt es David bei jedem Wort an: Er ist mit großer Freude und Leidenschaft bei der Sache und - er lebt für BALVENIE!

Balvennie Distillery Tour - 6. Juni 2011

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Die Floor Maltings von Balvenie (Bilder oben). Rund 15% des benötigten Malzes stellt die Brennerei noch selbst her. Zur Verwendung kommt die Gerstensorte „Optic“, die eine höhere Alkoholausbeute bietet, als andere Sorten. Die Gerste wird zunächst in großen Bottichen mit frischem Wasser eingeweicht und anschließend zum Keimen auf dem Malzboden ausgebreitet. Bis zum ge- wünschten Keimgrad muss die Gerste regelmäßig gewendet werden, damit sie nicht fault und schimmelt. Das Kohlefeuer zum Trocknen der gekeimten Gerste (linkes Bild). Die heiße Luft steigt durch Kanäle und Gitter auf und trochnet die darüberlie- gende, gekeimte Gerste zu Malz. Dabei kommt nur ganz wenig Torf zum Einsatz, um ein leichtes Raucharoma zu er- zeugen, was man aber beim Balvenie Single Malt eigentlich nicht merkt. Ausnahme sind die in der „Peat Week“ produzierten Malts mit deutlich höherem Phenolanteil.
Blick in die Fermentationsanlage. Hier wird das gemahlene Malz in mehreren Durchgängen mit heißem Wasser versetzt und gemischt, um eine zuckerhaltige Lösung zu gewinnen.
Die washbacks von Balvenie sind aus Lärchenholz. Die wash wird hier mit Hefe ver- setzt und gärt zu einem Bier mit ca. 8 Vol.-% Alkoholgehalt. Insgesamt gibt es 18 Stück. Balvenie produziert hier auch für die benachbarte Kininvie Brennerei.
Blick in die washback. Die Hefe leistet ganz Arbeit und bringt die Flüssigkeit zum Schäumen während sie den Zucker in Alkohol verwandelt.
Im wort cooler wird das fertige Bier nochmal gekühlt, bevor es zum eigentlichen Brennprozess in die stills gelangt.
Die underback besteht aus großen Edelstahltanks in die die gekühlte wash nach der Gährung bis zum Brennen zwischengelagert wird.
Blick in das Herz der Brennerei, das stillhouse. Hier wird aus dem „Bier“ der Alkohol gebrannt, der später den fertigen Whisky ergibt.
Eine der Low-Wines_Stills (auch wash still genannt) von Balvenie. 9092 Liter wash können hier maximal für den ersten Brand eingefüllt werden. Leider darf man hier nur von der Empore aus fotografieren.
Im spirit safe läuft der Rohbrand zusammen. David Mair erklärt meiner Frau, wie der Rohbrand getrennt wird und nur der sogenannte midle cut später für die Fassreifung Verwendung findet.
Die offene Fass-Abfüllanlage (Bild oben links) - aus Sicherheitsgründen auf dem Freigelände, wegen der hohen Brand- und Explosionsgefahr. Wäre nicht die erste Brennerei, die durch einen Unfall bei der Fassabfüllung komplett zerstört wird. Balvenie leistet sich eine eigene Küferei (Bilder oben und links) in der gebrauchte Fässer aufgearbeitet und für den erneuten Einsatz vorbereitet werden. Wer sich genauer dafür interessiert, dem sei ein Besuch in der nahegelegenen Speyside Cooperage empfohlen. Die Fassmacherei kann besichtigt werden und man bekommt einen super Eindruck, welche Arbeit hinter dem Fassmachen oder der Aufbereitung von Fässern steckt.
Warehouse 24 gibt es wirklich - nicht nur im Internet. Hier lagern u.a. die "Schätzchen" von Balvenie und man kann sich aus drei unterschiedlichen Fassarten eine kleine Flasche Balvenie (20cl) selbst abfüllen (Bild oben). Außerdem steht hier das TUN 1401, mit dem die Serie der TUN-Abfüllungen (1401, 1509 und 1858) be- gann. Das älteste aktuelle Fass bei Balvenie stammt übrigens aus dem Jahr 1961. Zumindest sagt das David Mair, der es eigentlich wissen müsste. Urig ist auch das erste Tasting aus den 3 Fässern für die "Selbstabfüllung" eines Balvenie. David lässt den kupfernen "dog" ins Fass hinab, holt eine Probe aus dem Fass und schüttet sie auf seine Hand, um zu probieren. Anschließend bekommt man auf die gleiche Weise ebenfalls seine Tastingproben (schon mal 3 Stück) und kann so den besten Schluck für seine Abfüllung wählen. Zum Abschluss der Tour ging es in den kleinen Tastingroom von Balvenie, wo David sehr fachkundig referierte, wie man am besten ein Tasting durchführt. Dass man Wasser zugeben sollte, damit sich die Aromen besser entfalten (wichtig: schütteln und ca. 15 Minuten stehen lassen) und was die einzelnen Abfüllungen von Balvenie ausmacht. Sein Lieblings-Balvenie ist übrigens der 21 Jahre alte PortWood. Ich habe dann noch ein bisschen mit ihm gefachsimpelt und ihm meine - damals noch kleine - Balvenie Sammlung vorgestellt. Ein super Erlebnis und ein wundervoller Tag, den man so schnell nicht vergisst, denn zum Abschluss gab‘s noch ein ganz privates Tasting mit David Mair (hatte ich schon erwähnt, dass wir allein da waren?) Balvenie 12 - DoubleWood Balvenie 12 - Signature Balvenie 15 - Single Barrel Balvenie 21 - PortWood Balvenie 30 - Thirty Und weil wir allein da waren gab es als Zugabe noch einen Balvenie aus dem Jahr 1967 (Sherry Fass) und eine Kostprobe des Balvenie TUN 1401. Einfach nur „affengeil“. Thank you - David Mair !!!
David Mair - © flickr.com
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