The Balvenie - Speyside Single Malt
Nichtkommerzielle Website - © 2024 by Wolfgang (Kollo) Kolaschnik - Malt Whisky Collector - Tabletop Gaming Boards
© William Grant & Sons
Unsere erste Besichtigung bei Balvenie! Meine Frau und ich stehen pünktlich um
14.00 Uhr am Meeting-Point der Brennerei und werden auch gleich von einem sehr
netten Herrn begrüßt, der sich als David Mair vorstellt, der Balvenie Ambassador
(Markenbotschafter). Da sonst keiner mehr kommt, wird es (David: „Ihr habt
gebucht, also bekommt ihr eure Führung“) - eine Privatführung für 2 Personen
über 3 Stunden, inklusive einem Tasting.
David Mair ist ein hervorragender Guide! Er weiß einfach alles über Balvenie,
erzählt nebenbei Geschichten über sich, Dufftown und die Welt, gibt Reisetipps für
Ausflüge ans Meer (wir hatten damals ein B&B in Dufftown) und beantwortet jede
noch so blöde Frage mit einer Gelassenheit, wie ich sie selten erlebt habe. Und das
alles sehr sympathisch und freundlich, man fühlt sich wirklich willkommen.
Bilder und Infos zur Besichtigung
Ihr könnt jedes Bild mit einem Klick auf 900 x 600 Pixel vergrößern.
Die Infos stammen aus dem Jahr der Besichtigung (2011) und ich gebe das so
wieder, wie David Mair es uns damals erzählt hat. Einiges mag sich inzwischen
geändert haben, aber im Kern wird der Single Malt bei Balvenie so hergestellt, wie
beschrieben.
© alle Bilder by Kollo
Und los geht‘s
Die Tour beginnt bei den Floor Maltings. 15% des benötigten Malzes stellt Balvenie
noch selbst her. Zur Verwendung kommt die Sorte „Optic“.
Die Gerste wird zuerst in großen Bottichen mit frischem Wasser eingeweicht und
anschließend zum Keimen auf dem Malzboden ausgebreitet. Bis zum gewünschten
Keimungsgrad muss die Gerste regelmäßig gewendet werden, damit sie nicht fault
und schimmelt.
Mälzboden
Das eigentliche Malz entsteht, wenn die Keimung durch Trocknen der gekeimten
Gerste über einem Feuer, das heiße Luft produziert, die dann durch Löcher im
Boden die Gerste trocknet. Balvenie verwendet kein oder nur sehr wenig Torf beim
Trocknen.
Ausnahme sind die jährlichen „Weeks of Peat“, in denen kleine Mengen rauchiger
Whisky produziert wird.
Washbacks
Das Malz wird zuerst gemahlen. Anschließend wird es in mehreren Durchgängen
mit heißem Wasser vermengt und so eine zuckerhaltigen Lösung, wash genannt,
herausgelöst.
Die wash kommt dann zur Gährung in die washbacks.
Washbacks
Die washbacks von Balvenie sind aus Lärchenholz und haben eine Volumen von
jeweils 55.000 Litern. Insgesamt gibt es 18 Stück (siehe Bild, auch wenn auf
anderen Websites was anderes steht). Die wash wird hier mit Hefe versetzt und
gärt zu einem Bier (nur ohne Hopfen) mit ca. 8 Vol.-% Alkoholgehalt.
Balvenie produziert hier auch die wort für die benachbarte Kininvie Brennerei.
Wort Cooler
Das „Bier“ nennt sich im englischen wort und wird im wort cooler schnell auf eine
Temperatur von ca. 7° Celsius heruntergekühlt.
Underbacks
Die underbacks sind nichts anderes als riesige Tanks aus Edelstahl, in denen die
gekühlte wort bis zum eigentlichen Brennvorgang zwischengelagert wird.
Stillhouse
Im stillhouse stehen dann die Herzstücke der Brennerei.
Wash stills und spirit stills. In den wash stills erfolgt der erste Brand der wash
(siehe oben) zu einem Destillat mit ca. 22 Vol.-% Alkoholgehalt. Dass ganze geht
dann in die spirit stills und wird ein zweites Mal gebrannt, um das fertige Destillat
mit annähernd 70 Vol.-% Alkoholgehalt zu erhalten.
Wash stills und spirit stills
Balvenie verfügt über 4 wash stills (2 davon mit 12.729 Litern Volumen und 2 mit
9.092 Litern Volumen). Dazu kommen 5 spirit still mit einem Volumen von jeweils
12.729 Litern.
Die Beheizung der stills erfolgt über innenliegende Dampfspiralen, die mit der
Abwärme der Nachbarbrennerei Glennfiddich „befeuert“ werden.
Spirit safe
Im spirit safe läuft der Rohbrand zusammen. David Mair erklärt hier meiner Frau,
wie und wann genau der Rohbrand getrennt wird und nur der middle cut später
für die Fassreifung Verwendung findet.
Darüber hinaus ist das ganze vom Zoll verplombt, um das unverzollte Abzweigen
von Rohbrand zu verhindern. Die Steuer ist ein ansoluter Preisfaktor bei Whisky
und eine enorme Einnahmequelle für den Staat.
Fass-Abfüllanlage unter freiem Himmel
Die offene Fass-Abfüllanlage steht abseits der Produktions- und Lagergebäude auf
dem Freigelände. Allein wegen der hohen Brand- und Explosionsgefahr des
hochprozentigen Alkohols, der hier in die Fässer abgefüllt wird.
Wäre nicht die erste Brennerei, die durch einen Unfall bei der Fassabfüllung
komplett zerstört wird.
Küferei
Balvenie leistet sich eine eigene Küferei in der gebrauchte Fässer aufgearbeitet und
für den erneuten Einsatz vorbereitet werden.
Neue Fässer produzieren sie hier nicht. Die kommen traditionell aus den USA und
andren Ländern (z.B. Spanien) und sind in der Regel auch nicht neu, sondern
wurden zuvor einmal zur Lagerung von Bourbon Whiskey oder spanischem Sherry
verwendet.
Küferei
Ein gebrauchtes Fass wird neu abgedreht und anschließend innen asgebrannt, um
das Eichenholz zu reaktivieren. So kommen auch die letzten Aromen aus dem Holz
in den späteren Whisky.
Wer sich näher für das Fassmachen interessiert, dem sei ein Besuch mit Führung in
der nahegelegenen Speyside Cooperage empfohlen. Dort werden in großem Still
Fässer für die schottische Whiskyindustrie aufbereitet.
Warehouse 24
Hier lagern nicht nur die „Schätze“ der Brennerei, man kann sich auch aus drei
Fassarten eine kleine Flasche Balvenie (20cl) selbst abfüllen. Das Prozedere ist urig.
Auf der Hand wird probiert und dann entscheidet man sich für eines der 3 Fässer,
um seine eigene kleine Flasche abzufüllen. Das älteste Fass bei Balvenie stammte
damals übrigens aus dem Jahr 1961. Zumindest sagte das David Mair, der es
eigentlich wissen müsste.
Tasting room
Nach der Besichtigungstour ging es in den tasting room zu einem tasting, das es in
sich hatte!
Balvenie 12 - DoubleWood, Balvenie 12 - Signature, Balvenie 15 - Single Barrel,
Balvenie 21 - Port Wood, Balvenie 30 - Thirty und zwei Zugaben (weil wir allein da
waren), einen Balvenie 1967 (Sherry cask) und einen einen TUN 1401.
Thank you David Mair!
Eine unvergessliche Besichtigungstour, wie ich sie weder vorher in einer anderen
Brennerei, noch bis heute wieder erlebt habe, auch wenn andere Brennereien
ebenfalls sehr gute Touren anbieten.
The Balvenie Distillery Tour - 6. Juni 2011